SEKTION BRANDIS

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100 Jahre – Jubiläum SAC Brandis

Jubiläumsfest, 19. Oktober 2019, Mehrzweckhalle Kramershaus

Um die 170 Brandiser und Brandiserinnen und eine Anzahl Gäste fanden den Weg in den Heimisbach und wurden nicht enttäuscht.
Um 14 Uhr startete das Fest mit einem Kinder/Jugend-Programm. Ab 17 Uhr wurde von der Sektion ein Apéro offeriert. Dieser bot ausreichend Gelegenheit zum Kennen lernen und zum Austausch von Neuigkeiten.

Nach dem feinen Nachtessen wurde das mit Spannung erwartete Theater aufgeführt. Es zeigte in verschiedenen Szenen die Gründung der Subsektion Hasle-Rüegsau, thematisiert wichtige Veränderungen wie die Frauenfrage im SAC, die Namensgebung der Sektion Brandis und die Veränderungen im Bergsport. Die rundum gelungene Theateraufführung erhielt tosenden Applaus.

Nach den Ehrungen von sehr aktiven und langjährigen Mitgliedern durch den Präsidenten war der „offizielle Teil“ des Jubiläumsfestes abgeschlossen.

Dem Vorstand und OK sowie allen Helfern und Helferinnen gebührt ein grosses Dankeschön. Nur dank ihnen konnten die Jubiläumstouren und das Jubiläumsfest so erfolgreich durchgeführt werden.

 

Theater Brandis 100. Aufgeführt in fünf Teilen anlässlich von Jubiläumstouren im Jahr 2019

Die Gründungsversammlung

Werner Meister initiiert – mit Rückendeckung seines Vaters Jakob Meister – die Gründung der Sub-Sektion
Hasle-Rüegsau. Die Hasler unternehmen schon länger Voralpenwanderungen und leichtere Touren. Auch dank ein
wenig Übermut kann kaum etwas die Emmentaler bremsen – oder doch? Schlechtes Wetter ist es jedenfalls nicht:
Immer wieder regnet es aus Kübeln, schneit und stürmt – Hudelwetter hält die Sub-Sektiönler nicht von Touren
ab. Aber die um sich greifende Viehseuche und gleichzeitige Wirtschaftsdepression um 1920. Die Hälfte aller Mitglieder aus den ersten zwei Jahren geben das Bergsteigen auf.
Nun trennt sich der Weizen von der Spreu. Manch einer stellt bei sich eine Vorliebe für die Einkehr im
Restaurant fest und merkt dabei, dass er hierfür nicht im S.A.C zu sein braucht. Die Übriggebliebenen aber wagen
sich an immer grössere Touren: Mit Laternen «bewaffnet» durchs Lötschental mit dem Ziel Bietschhorn – leider
ohne Gipfelerfolg.

Im Schneesturm auf dem Fiescherhorn und in der Sommerhitze durchs Kiental und auf das Mutthorn
Oft sind die Hasler führerlos unterwegs und besteigen so das Aletschhorn und den Wildstrubel. In einem
zweiten Anlauf gelingt 1938 auch die Besteigung des Lauterbrunnen-Breithorns. Glücklicherweise wird die junge
Sub-Sektion in den ersten 20 Jahren vor Unfällen grösstenteils verschont. Einzig ein gebrochener Unterschenkel
als Folge eines gehaltenen Sturzes durch Verkeilung im Bergschrund ist zu beklagen. Die Lehre daraus ist folgende: Hat der Mittelsmann einer Dreierpartie keine Steigeisen, wie im hiesigen Fall, so vermögen seine Kameraden ihn im Falle eines Sturzes nicht zu halten. Es ist daher weniger gefährlich, wenn keiner Steigeisen trägt und der vorderste Mann im Abstieg Stufen hackt und die oberen gut sichern.
Seit 1921 sieht man auch immer mehr Hasle-Rüegsauer mit Skiern. In den heimischen Hügeln und Bergen
wird geübt, sobald genug Schnee liegt. Bald werden längere Ausflüge unternommen. So verbringt eine handvoll
Kameraden Silvester 1935 auf dem Hornberg bei Schönried.

Dies kann wohl als erster Freeridetag in der Geschichte des S.A.C.Hasle-Rüegsau gelten, werden doch die
Skifahrer mit dem neuen Funi – einem Schlittenzug – hangaufwärts befördert.

Meister Werner, Tribelhorn Konrad, Allenbach Fritz und Kameraden sowie drei Damen (Namen von Gründungsmitgliedern, Bild aufgenommen am 19.1.2019).

Video zum ersten Jubiläumsanlass vom 19.01.2019.

 

Zeitraum 1939 bis 1959

Skikurs auf der Engstligenalp

Auch die S.A.C. Sub-Sektion Hasle-Rüegsau kann sich am wachsenden Interesse am Schneesport nur erfreuen. Immer mehr Mitglieder betreiben im Winter das Vergnügen mit den Holzlatten. Regelmässig finden Skiausflüge im näheren Emmental oder in den Saanen- und Feldmöser statt. Die ersten Kriegsjahre in Europa bringen aber auch hierzulande eine allgemeine Abnahme des Bergsports mit sich und die Hasler schreiben kaum noch Tourenberichte – oder sie sind verschollen. Ab 1942 wächst aber das Interesse am Bergsteigen stark, teilweise wohl auch patriotisch motiviert.

Die erste Tourenwoche der Subsektion findet 1946 im Jungfraugebiet mit Führer Burgener statt. Die Organisation dieser Tour bedarf einiges an Können: Lebensmittel sind rationiert, doch findige Mitglieder schaffen es irgendwie, auch ohne Marken an Butter und Gnagi zu kommen – und sei es nur mithilfe einer Frau, deren Jugendliebe ein reicher Metzger war!

Noch immer werden grössere Touren mit Bergführern unternommen. Adolf Ogi, Vater des späteren Bundesrats, Emil Brantschen und Hans Burgener aus Grindelwald sind einige davon. Letzterer ist Hüttenwart auf der Glecksteinhütte, welche der Muttersektion Burgdorf gehört. Die Besonderheiten der Führer bringen allerhand lustige Anekdoten in den Tourenberichten mit sich. Oft ist schon die Anreise zur Tour eine sportliche Leistung. Nicht selten nehmen Mitglieder das Fahrrad bis Spiez oder Interlaken, um von dort mit dem Zug weiterzufahren.

In den 40er und 50er Jahren werden einige namhafte Gipfel wie das Lauterbrunnen Breithorn, der Eiger oder der Grand Combin bestiegen.

Als schwarzer Tag geht der 24. Juli 1950 in die Geschichte ein. Zwei Hasler werden im Aufstieg zur Bernina von einer Windböe vom Biancograt gefegt und verschwinden für immer im Tschiervagletscher. Doch auch nach diesem Unglück gelingt es den Mitgliedern der Sub-Sektion, manche frohe Tour zu organisieren. Dass Frauen seit Beginn dabei sind, ist in der Sub-Sektion Hasle-Rüegsau eine Selbstverständlichkeit.

Doch: Sehen das alle Sektionen so? Und was meint eigentlich der SFAC dazu? Wer interessiert ist an der Debatte über «Frauen im S.A.C», nehme doch teil an der Jubiläumstour vom 18. 5. 2019 auf dem Cheibehorn im Simmental.

 

Zeitraum 1959 - 1979

Ein Gipfeltreffen und die Frauenfrage im SAC

Die Frauenfrage wurde im SAC Schweiz zeitweise intensiv diskutiert, während gut 90 Jahren jedoch immer wieder vom Tisch gewischt. An einer Delegiertenversammlung im April 1978 wurden die Argumente beider Parteien – also der Befürworter von Frauen im SAC und deren Gegner -  aufgelistet. Es wird unter anderem von drohenden ehelichen Konflikten gewarnt – bei einem Zusammenschluss. Schliesslich leitete Peter Wenger, Präsident des Central Comités, 1978 die entscheidenden Schritte für die Fusion mit dem Schweizerischen Frauen Alpen Club (SFAC) in die Wege. Er war vorher Präsident der Sektion Blüemlisalp. Bezeichnenderweise heisst der formschöne Mittelgipfel des Blüemlisalpmassivs „weisse Frau“.

Die Sub-Sektion Hasle-Rüegsau sagte an ihrer Hauptversammlung von 1978 – also kurz nachdem sich auch der SAC Schweiz für die Frauen im Club ausgesprochen hat – mit 32 zu einer Stimmen ebenfalls ja. Diese Abstimmung war aber bei den Haslern eher Formsache. Schon in den 30er Jahren war Ruth Lehmann mit den Männern unterwegs. Den Berichten zufolge eine tüchtige Alpinistin. So war sie auch auf dem Matterhorn. Ob Führer Brantschen Sie nur dank der Flasche Kirsch des Tourenleiters mitgenommen hat, ist nicht belegt. Besagte Lehmann Ruth verlobte sich auf einer Tourenwoche der Sub-Sektion Hasle-Rüegsau mit Heinz Augsburger. Zumindest Sie hat also die Gefahr der ehelichen Konflikte widerlegt smiley.

Die Sub-Sektion hat das Jugendalter längst hinter sich. Wie der Alltag einer SAC Sektion aussieht und welche Herausforderungen doch noch warten – darum geht es im nächsten Theater - als Komödie in 3. Akten!

 

Zeitraum 1979 – 1999

Aus der Sub-Sektion Hasle-Rüegsau wird die Sektion Brandis

Die Sub-Sektion Hasle-Rüegsau führt ein beschauliches aber erfolgreiches Dasein als Verein. Der Klettersport wird zu einem Grundpfeiler des Tourenprogramms und viele, noch heute aktive Mitglieder, leiten Touren und Ausbildungskurse. 1990 wird zum ersten Mal ein Schnupperwochenende für Kinder durchgeführt.

Dass die Hasler und die Muttersektion Burgdorf nicht immer die gleichen Vorstellungen haben, führt zu ersten Überlegungen, ob nicht eine eigene Sektion gegründet werden könnte. Eine schriftliche Umfrage zeigt aber, dass hauptsächlich die bestehende und funktionierende JO in Burgdorf nicht mit einer Trennung gefährdet werden sollte. Der damalige Präsident, Christian Furrer, sieht von einer selbständigen Sektion ab. Ein paar Jahre später bringt wiederum die JO Klaus Kopp dazu, erneut eine Loslösung von Burgdorf zu versuchen: Dass fehlende Interesse der Burgdorfer an der Jugend, ist Ihm ein Dorn im Auge. In umsichtiger Vorarbeit gewinnt er den Vorstand, die Mitglieder der Sub-Sektion und schliesslich auch die Sektion Burgdorf für sein Vorhaben. Eine erneute Umfrage bringt die Gewissheit: Nur ein Mitglied spricht sich schriftlich gegen die Selbständigkeit aus – wiederum in der Angst um die JO.

Mit viel Engagement wird so innerhalb eines Jahres die 109. SAC Sektion – die Sektion Brandis – ins Leben gerufen. Dabei durfte auf die Erfahrungen der Sektion Huttwil zurückgegriffen werden, welche ein Jahr zuvor dasselbe Prozedere durchlief und sich von Burgdorf löste. In einer Gründungsversammlung und einem dreitägigen Gründungsfest wird dieser Anlass am 31.5.1997 gefeiert. Die junge Sektion hat rund 310 Mitglieder.

Der Name Brandis stammt ursprünglich vom Adelsgeschlecht der Herren von Brandis. Ihre Burg stand auf der heutigen Brandishub.

Die Sektion Brandis ist also gegründet und betätigt sich aktiv in allen Spielarten des Bergsports. Dass Klettern immer populärer wird ist bekannt und Kletterkurse boomen –

Doch Kletterkurs ist nicht gleich Kletterkurs! – Darum geht es im nächsten Theater.

 

Zeitraum 1999 - 2019

Kletterkurs im SAC oder: Was Vielfalt im Bergsport heisst

Vorneweg: Ganz aktuell wäre das Thema «Stil und Ethik im Klettern» in den 80er und 90er Jahren gewesen. Aber da kam in der Geschichte der Sub-Sektion Hasle-Rüegsau die Gründung der Sektion Brandis dazwischen. Somit wurde das Thema mit einem kleinen Kunstgriff auf die dramaturgische Traktandenliste der Nullerjahre gesetzt. Ganz nach dem Motto «zurück in die Zukunft» merkt man, das die Debatte um Stil und Ethik zwar beim Klettern stets ein Thema ist, aber übertragen auf andere Spielformen des Bergsports im erweiterten Sinn brandaktuell ist. Somit beenden wir die theatralische Inszenierung der Geschichte der Sub-Sektion Hasle-Rüegsau mit einem kleinen Exkurs zur sportlichen Vielfalt im Club.

Der SAC beherbergt mittlerweile Berg- und Outdoorbegeisterte Menschen aller Sparten: Vom gemütlichen Hüttenbesucher, dem eine gute Flasche Rotwein abends wichtiger ist als der Gipfel, über die ambitionierte Gebirgsläuferin und die bouldernde Familie bis zum bikenden Grossvater. Viele Trends werden an den SAC herangetragen und dieser versucht sich im Spagat zwischen «Schützen» und «Nutzen» unserer geschätzten Berglandschaft. Dabei allen gerecht zu werden ist kaum möglich. Dennoch profitieren viele von den Dienstleistungen dieses grossen Verbandes. Im kleinen – also in den Sektionen und so auch in der Sektion Brandis – steht und fällt die wohl wichtigste Dienstleistung des SAC mit den Menschen, die dahinter stehen: Das Angebot von ehrenamtlich organisierten Touren und Anlässen.

Bergbegeisterte Leute jeden alters öffnen mit Ihren Angeboten anderen neue Tore: Schneeschuhwandern ausprobieren! Die erste Mountainbike Tour pedalen! Einmal eine Höhle begehen! Steileiskletterluft schnuppern! Als Kind zum ersten mal Biwakieren! Den langersehnten Traum einer 4000er-Besteigung verwirklichen!

Alles Erlebnisse, die dank dem Engagement von unzähligen Leitern im SAC möglich sind.
Ob es all diese Erlebnisse braucht, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass viele Menschen im direkten und im übertragenen Sinne «auf den Gipfel» wollen – Sei es nun mit Leggins an einem Boulderblock oder am Seil eines Tourenleiters.

«Was bisher geschah» ist hier an einem logischen Ende. Denn in der theatralischen Aufrollung unserer Vereinsgeschichte sind wir nun in der Gegenwart angekommen.